Das stille Echo meiner Worte: Ein Jahr im Dialog-Schatten mit ZEIT ONLINE & DIE ZEIT

Wussten Sie, dass man in der digitalen Welt ebenso im bürokratischen Labyrinth verloren gehen kann wie in einem Franz Kafka Roman? Nehmen wir mein Beispiel: Ein Jahr lang war ich in einem absurden Tanz (eher einer einseitigen, frustrierenden Performance) mit ZEIT ONLINE und der Wochenzeitung DIE ZEIT verwickelt, einer Art modernem, digitalem „Prozess“.

Es begann harmlos. Ich schrieb Kommentare – ganz normale Meinungen, wie man sie in einer lebendigen Demokratie erwarten würde. Viele davon hatte ich gespeichert, und aber auch wieder gelöscht. Und ich zahlte für die Zeitung das Vollabonnement von knapp 400,00 EUR pro Jahr, inkl. ZEIT Pur. Doch diese Kommentare wurden sehr selten veröffentlicht. Hier ein Beispiel für einen „zensierten“ Text, den ich zufällig noch aufbewahrt hatte.

Beispiel für einen Kommentar, der vom Community-Team „weggebissen“ wurde. Diese Meinung will man bei ZEIT ONLINE nicht lesen, und unterdrückt sie aktiv.

Sehr oft sorgfältig formuliert, genaustens abgewogen – schließlich kommentiere ich bei einer links-liberalen Zeitung, das war mir bewusst. Stattdessen fand ich mich in einem schwarzen Loch der Kommunikation wieder. Anfragen per Mail an community@zeit.de verhallten ungehört. Ich erhielt lediglich Ticketnummern, aber keine Antworten. Nun war sogar mein Account für Kommentare komplett gesperrt. „Der Kommentarbereich ist für Ihr Nutzerprofil gesperrt.„, hieß es plötzlich. Doch was hatte ich verbrochen? Wer aus dem Community-Team beißt mich weg? War das wirklich so gewollt?

Völlig überraschend – mein Nutzerprofil bei zeit.de ist komplett gesperrt! Ohne Ankündigung. Ohne Erklärung.

Meine Neugier und vielleicht auch mein Stolz trieben mich weiter an. Warum wurde ich „zensiert“? Ich versuchte es über verschiedene Kanäle – per Mail, ja einmal sogar per altertümlichem Brief. Keine Reaktion! Nun sogar die Sperrung. Ohne Erklärung, ohne Ankündgung. Ich war baff.

In meiner letzten Mail an community@zeit.de, brachte ich meine Frustration zum Ausdruck. Warum, fragte ich, wird ein zahlender Kunde so im Unklaren gelassen? Warum diese Ignoranz gegenüber einem Leser, der nur verstehen möchte? Ich entschied mich spontan für den Schlussatz: „Ach wissen Sie was? Wir machen es ganz anders. Sie können meinen Account, das Digital-Abo und das Print-Abo komplett kündigen. Ich finde den Umgang mit Lesern völlig daneben. Wie lange soll ich auch noch hinter einer Antwort hinterherlaufen. Vielleicht finden wir später einmal wieder zusammen.“

Eine richtige Antwort blieb natürlich aus. Stattdessen erhielt ich zwei Briefe mit den Kündigungsbestätigungen für ZEIT ONLINE und DIE ZEIT. Nach über einem Jahr und konkret gestellten Fragen in meinen E-Mails ist die einzige Antwort, die ich erhalte – ein Standard-Textbaustein mit Rückgewinnung? Es scheint, als würde man in der Welt der großen Medien nur dann gehört, wenn man sich entscheidet zu schweigen – indem man kündigt.

Kündigungsschreiben der ZEIT ist die einzige Reaktion auf meine Fragen. Keine Erklärung. Keine Antwort. Textbausteine mit Rückgewinnungs-Absatz! Peinlich, wie ich finde.

Es ist eine Kuriosität, ein Rätsel, das ich wohl nie lösen werde. Vielleicht ist es das Zeichen einer Zeit, in der die Stimmen der Leser nur noch ein Hintergrundrauschen sind, das man leicht ignorieren kann. Vielleicht ist es ein Zeichen dafür, dass manche Institutionen in ihrer eigenen Wichtigkeit so gefangen sind, dass sie diejenigen vergessen, die ihnen zuhören.

In meinem Fall endet die Geschichte hier. Ich habe meinen Frieden damit gemacht, dass ich vielleicht nie erfahren werde, warum meine Stimme für ZEIT ONLINE & DIE ZEIT nicht zählte. Aber ich hoffe, dass andere ihre Stimme erheben, wenn sie auf ähnliche Mauern stoßen. Denn in einer Welt, in der Kommunikation so zentral ist, sollte niemand ungehört bleiben. Als letzten Versuch kontaktierte ich vor 3 Tagen über X/Twitter den stellvertretenden Chefredakteur Holger Stark. Gespannt warte ich, ob es diesmal wenigstens eine Antwort gibt.

DIE ZEIT lese ich jetzt (fast) ohne zu bezahlen. Über die ONLEIHE unserer städtischen Bücherei.


Beitrag veröffentlicht

in

von

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert