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Eine Straße soll umbenannt werden. Die Hindenburgstraße in Bad Oldesloe ist für einige Lokalpolitiker ein Dorn im Auge. Da in unserer schönen Stadt schon die ein oder andere – sagen wir – zweifelhafte Entscheidung getroffen wurde, habe ich für unsere Politik einige zentrale Leitplanken entwickelt. So schaffst Du es als Lokalpolitiker garantiert, den Zorn des Volkes auf Dich zu ziehen.

Eines ist Dir aber auch garantiert. Uneingeschränkte Aufmerksamkeit in den Medien, ein maximaler Verbrauch von Steuermitteln und immer eine Handbreit Facebook-Kommentare unter dem Kiel. Doch hier nun die Kurzanleitung:

1.) „Ist die Änderung möglichst wirtschaftsfeindlich, kostet Sie im Zweifel Arbeitsplätze oder einfach nur Geld?“

Wenn nein, dann verändere die Maßnahme so, dass die Firmen, Gewerbe und Einzelhandel darunter etwas mehr zu leiden haben, eventuell wären die Ansiedlung von Discountern oder 1-EUR-Läden eine Alternative, oder einfach irgend etwas um Firmeninhaber oder Investoren zu behindern – wenn ja, dann weiter zur nächsten Frage.

2.) „Wird die Lösung nicht oder nur von einer kleinen Minderheit gebraucht?“

Wenn nein, grenze die Zielgruppe weiter ein, und ignoriere die Meinung der Bürger. Am Besten sie nützt nur Dir allein. Wenn ja, weiter zur nächsten Frage.

3.) „Stört die Lösung die Mehrzahl der Einwohner, z.B. Fahrradstraßen wo eigentlich Autos fahren und parken, oder Poller, wo eigentlich Leute abgeholt werden, oder ein- und aussteigen?“

Wenn nein, wären Poller, Straßensperrungen, Zäune oder einfach längerfristige Baustellen eine Lösung? Kannst Du es ggf. mit Kunstrasen oder einem Kreisverkehr lösen? Wenn ja, weiter zur nächsten Frage.

4.) „Wird die Lösung von nicht ortsansässigen Betrieben erstellt/geliefert?“

Wenn nein, versuche die stadteigenen Aufträge möglichst freihändig und billigst an Firmen in anderen Städten, besser noch in anderen Bundesländern zu vergeben, damit die Gewerbesteuern woanders gezahlt werden. Ignoriere das Gebot der Wirtschaftlichkeit und gehe nur nach dem billigsten Angebot. Sollte der ortsansässige Betrieb der günstigste Anbieter sein, ignoriere das. Wenn ja, weiter zur nächsten Frage.

5.) „Ist die Lösung kurzfristig gedacht, und produziert erst im Nachhinein eine Menge Kosten?“

Wenn nein, versuche die erste Investition billiger zu machen, und die Kosten erst auf später zu verschieben. Eine andere Maßnahme wäre, die Investitionskosten komplett zu übernehmen, und dann beteiligte Firmen durch mehr Wettbewerb, möglichst schnell in die Pleite zu bringen. Oder triff eine Entscheidung, die noch innerhalb von zwei Jahren komplett überarbeitet werden muss. Wenn ja, hast Du es geschafft.

Herzlichen Glückwunsch! Du hast eine Entscheidung in Bad Oldesloe getroffen. Leider nicht FÜR Bad Oldesloe, aber man kann nicht alles haben.

Nach den oben genannten Regeln schlage ich eine Umbenennung in „Langestraße“ vor, bis man sich 2017 entschließt, dass „Lange Straße“ doch besser wirkt, um dann schlussendlich 2020 die Straße in „Lange Reihe“ umzubenennen, um den Flair von Hamburg nach Oldesloe zu holen, bevor man sie 2025 aus Kostengründen in einen Stadtpark umbaut, weil es durch den Internethandel und das mangelnde Zukunftskonzept leider keine Läden mehr gibt.

Der dann amtierende Bürgermeister wird zu Protokoll geben, dass ausschließlich mit Kunstrasen ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist, bevor er die Innenstadt – getragen von allen Fraktionen – einzäunen lässt, um den Schlüssel in geraden Wochen beim SV Türkspor und in ungeraden Wochen beim VfL unterzubringen.

Schönen Abend Euch allen!