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Manchmal täuscht man sich im Leben. Aber ganz gewaltig. Das gehört dazu. So einem „Blender-Hersteller“ bin ich auch aufgesessen. Und manchmal gibt es dann eben Konstellationen, in denen der „schwarze Peter“ nur bei einem selbst liegenbleibt. Hier kannst Du lesen, wie es dazu gekommen ist.

Wir haben nach langer Akquise einen Kunden für Glastrennwände gefunden. Einen großen Kunden. Das erste Projekt über ca. 70.000 EUR konnten wir nach harter Bemusterung gegen zwei finale Mitbewerber auch gewinnen. Echte Platzhirsche hier in der Gegend. Ich war sehr glücklich, dass wir uns mit den Büro-Trennwänden durchsetzen konnten.

Bei uns stimmte einfach die Qualität und wir waren sogar etwas günstiger als der letzte Partner unseres Kunden. Im Bereich „Glastrennwände“ läuft es bei uns so: wir machen die Werbung & Akquise, führen die ersten Gespräche und schließen den Vertrag – verhandeln die Zahlungskonditionen und sind kaufmännischer Ansprechpartner.

Anschließend übernimmt unser Produzent sehr viele Arbeiten. Das Aufmaß vor Ort, das Erstellen von Konstruktionszeichnungen, die Fertigung und die Abnahme vor Ort. Der Hersteller ist der technische Ansprechpartner unseres Kunden.

Wir haben für jedes Gewerk Partner, auf die wir uns verlassen können. So dachte ich jedenfalls auch hier. Diesen Anbieter hatte ich neu in unsere Kollektion aufgenommen. Denn als es um das nächste Projekt bei dem Kunden ging, waren wir plötzlich angeblich zu teuer. Wie konnte das sein?

Nun ja, ich mache es kurz. Durch Zufall bekam ich mit, dass mein Lieferant meinem Kunden ein günstigeres Angebot gemacht hatte. Ein klassisches Direktgeschäft also. Er hatte nicht mal den Arsch in der Hose, mir das selbst zu sagen. Sondern es kam wirklich durch kompletten Zufall ans Licht.

Obwohl er selbst unserem Kunden im Gespräch versprochen hatte, dass er uns natürlich eine Tipp-Provision auszahlen würde, konnte er sich plötzlich an nichts mehr erinnern. Der Lieferant war happy, er hatte einen neuen Kunden für den er nicht werben musste. Der Kunde war happy, er hatte günstigere Preise. Und wir?

Tja, wir gehen in Zukunft komplett leer aus. Der Umsatz der nächsten angekündigten Projekte von ca. 300.000 EUR Umsatz war futsch – er lief jedenfalls nicht mehr über unsere Bücher. Wir wurden darum betrogen.

Nun war noch eine Reklamation zu beheben. Am Tage der Fertigstellung (wir haben die Restzahlung unseres Kunden bis heute nicht erhalten) schickte man uns seitens des Lieferanten eine Aufforderung zur Zahlung der Restsumme. Nach 3 (!) Tagen hatten wir einen Anruf, wann wir denn bezahlen würden. Warum hatten die es plötzlich so eilig?

Da platzte mir der Kragen, und ich schrieb folgende Mail. Denn ich hätte Lust so einiges mit der – im Vergleich zur Auftragssumme – läppischen Restsumme von 2.547,45 EUR anzustellen. Aber da ist ja noch mein morgendlicher Spiegel. Und in den möchte ich gerne ohne schlechtes Gewissen reingucken können.

Was hättest Du in so einer Situation gemacht? Hättest Du auf eine Provision bestanden? Hättest Du es rechtlich durchgesetzt? Oder setzt Du Dich – wie ich – lieber mit Sohnemann und Ehefrau in die Sonne, und vertraust darauf, dass die Mitarbeiter des Herstellers, jetzt deren Leben lang mit dieser „Last“ werden leben müssen?

Sie wissen es… Sie werden immer mal wieder daran denken…

Update am 21.03.2015: Nach nur einem Tag hat der Vertreter besagter Firma auch endlich über Umwege vom Blogartikel erfahren, tja das Web ist klein.

Er schrieb mir einen ewig langen Salmon über XING, den ich zugegebenermaßen nur überflogen habe. Meine Antwort kannst Du unten lesen. Es ist aus meiner Sicht müßig sich mit Leuten zu unterhalten, die total egofixiert sind. Der wichtigste Satz – jetzt aus dem Kopf wiedergegeben, da ich die Nachricht kurz nach dem Lesen gelöscht habe – war: „Ich muss ja auch an meinen Umsatz und Geldbeutel denken.

antwort-direktvertrieb-hersteller

 

Für solche Menschen gibt es bei XING einen netten Knopf. „Blockieren“ heißt er. Und ich werde auch zukünftige Mails von dieser Firma ungelesen löschen. Kostet nur wertvolle Lebenszeit.

Spannend fand ich auch die Diskussion bei Facebook. Von Stimmen, die empfohlen haben die Sache sofort dem Anwalt zu übergeben, bis zur Aufforderung für so einen Hersteller nur noch Mitleid empfinden zu können, war alles dabei.

Letztendlich – und das zeigte auch das Feedback bei XING – haben viele Unternehmer schon mal eine solche Erfahrung gemacht. Und oft ging das für die Hersteller nach hinten los, da sich so etwas natürlich im Markt herum spricht.

Wenn ich mich in dem Zusammenhang an die Worte des Geschäftsführers erinnere, den ich noch vor Weihnachten deshalb anrief, muss ich wirklich schmunzeln. Er sagte:

„Direktgeschäft? Sowas gibt es bei uns nicht. Auf keinen Fall! Ich kümmere mich darum“.